Snowy White The Finishing Touch (2026) - ein Review von Philomena

Snowy White: Finishing Touch, The - Cover
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1 Review
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1 Rating
9.00
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Rock: Blues Rock, Classic Rock


Philomena
30.06.2026 09:45

SNOWY hat bei den letzten Alben seinen Sound immer mehr verfeinert, aber auch songdienlicher und kompakter gespielt. ´Unfinished Business´, das letzte Album von 2024, war einer seiner stärksten Momente seiner Solo-Karriere. Da waren jetzt meine Erwartungen schon ziemlich hoch, auch wenn der gute Snowy mittlerweile schon 78 Jahre zählt.

´Open Water´ beginnt sanft und lyrisch und wechselt in einen entspannten Rhythmus über. Snowy gelingt es sofort, mit wenigen, klug gesetzten Tönen, den Song in eine verspielte, melodische Richtung zu bewegen. Hier zeigt sich, weniger kann mehr sein und Snowy führt uns gleich in seine fremde, angenehm rhythmische Musikwelt mit leichten Fusionsanklängen. Mutig, zu Beginn mit dem einzigen Instrumentalstück zu starten, aber Verkaufsstrategien haben Snowy noch nie interessiert. Schließlich wird die Platte wieder in voller Unabhängigkeit veröffentlicht.

´Lost In The Blues´ kommt schon erwartbarer mit ebenfalls spannendem Rhythmus und Snowys trockenem, lakonischen und doch hin und wieder jetzt auch etwas brüchig klingenden Gesang. Gekrönt wird der Song vom ersten starken Solo. Und sein Gitarrenspiel ist sehr edel mit einem schönen Sound. Zum Schluss gibt es spärlichen Applaus im Studio.

´Just The Way It Is Today´ ist auch klassischer Blues-Stoff, zumindest von den Lyrics. Auch hier ist der Rhythmus von leichten südamerikanischen Rhythmen geprägt. ´Three Long Years´ ist rockiger angelegt. Und hier wendet er sich auch wieder privaten philosophischen Themen zu. Auch ´Music All My Life´ setzt sich – wie einige andere Songs – textlich mit seiner musikalischen Karriere auseinander. Musikalisch sehr cool und entspannt und erinnert an seinen Fusionssound der ersten Jahre seiner Solo-Karriere nach dem Ausstieg bei THIN LIZZY.

Der zweite Teil der Platte wird mit einem kräftigeren Blues-Shuffle namens ´Whole Bunch Of Nothing´ eingeleitet und zeigt Nuancen von Hard Rock mit doppelten Gitarrenlinien, die mehr nach WISHBONE ASH als LIZZY klingen. ´Minefield´ setzt sich mit der Welt, Lügnern, windigen Geschäftsleuten, Influencern, “Widowmakers” wie Putin und Entfremdung auseinander. Ein klarer Höhepunkt, auch musikalisch. Der Song leitet Snowys sozialkritischen Ansätze ein, wenn man das so nennen darf oder soll.

´Win Some Lose Some´ ist auch ziemlich dynamisch und rockt im Mittelteil ordentlich. Das epische und titelgebende ´The Finishing Touch´ ist einfach großartig. Und ein weiterer Versuch, zu verstehen, wie Männer wie Trump oder Putin (auch wenn sie hier nicht namentlich genannt werden) alleine die komplette Welt in die Dunkelheit stürzen können. “How can they sleep at night…”, fragt sich Snowy. Starkes Statement. Starker Song.

´The Blues Away´ ist zum Schluss einer dieser wunderschönen Blues-Titel, die Snowy so genial beherrscht. Und ein Abgesang auf sein Leben. Ja wirklich. Traurig. Aber noch kann er die richtigen Töne aus seiner Gitarre herausholen und findet es meist auch okay. Britisches Understatement wie immer und auch sehr emotional im Abgang. Hoffentlich wird das nicht seine letzte Platte. Der Titel weist darauf hin, die vorherige Platte war noch “unfinished”. Das wäre sehr bedauerlich, denn Snowy hat auch zu meiner musikalischen Sozialisation beigetragen. Mit ´Chinatown´ und ´Renegade´ und ich habe ihn mit 16 Jahren live mit THIN LIZZY gesehen.

Eine weitere starke Platte von Snowy, ein weiteres Alterswerk im positiven Sinne. Textlich steckt eine Art von philosophischen und deskriptiven Rückblick auf sein Leben und seine Biographie dahinter. Und er versucht abermals die Welt und die derzeit negativen Veränderungen zu erklären, was er nicht kann.

Der Vorgänger hat mir aufgrund seiner stärkeren Konzentration auf den Blues Rock zunächst noch ein wenig besser gefallen, aber das sind Nuancen. Außerdem hat sich ´The Finishing Touch´ im zweiten Teil dann deutlich gesteigert, was zur selben Notenbewertung führt. Snowy ist nach wie vor sehr wertvoll für die qualitativ anspruchsvolle Musik. Und hat ein intimes Musikverständnis, das direkten Kontakt zum Konsumenten aufbaut.

Wir wollen mehr von ihm hören und ihn nicht mit dieser starken Platte verlieren!

https://www.saitenkult.de/2026/06/29/snowy-white-the-finishing-touch/

Punkte: 9 / 10


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