Fleshgod Apocalypse Oracles (2009) - ein Review von DarkForrest

Fleshgod Apocalypse: Oracles - Cover
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1 Review
2
2 Ratings
8.00
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Death Metal


DarkForrest
21.07.2026 07:58

Der eine oder andere kennt vielleicht folgendes Phänomen: Man hat eine Band in der Sammlung, die eigentlich deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient, als sie von einem bekommt. Bei mir wäre das Fleshgod Apocalypse. Ich habe sie 2012 auf einem Festival gesehen, mich sofort verliebt, mir das damals aktuelle “Agony” und etwas später noch “Labyrinth” geholt, fand beide Alben grundsätzlich gut (einzelne Songs sogar klasse) und habe mich dann trotzdem nicht mehr groß mit der Band beschäftigt, was eigentlich sehr schade ist. Jetzt bin ich zumindest mal dazu gekommen, mir nachträglich das Debütalbum mal ganz ausführlich anzuhören, auch wenn es sich noch ziemlich vom Rest der Diskographie unterscheidet.

Fleshgod Apocalypse sind ja in erster Linie dadurch bekannt geworden, dass sie Technical Death Metal mit Symphonic Metal mischen und einige Elemente klassischer Musik in ihre Songs einbauen. Das ließen die Italiener bei ihrem ersten Album “Oracles” zwar bereits erahnen, allerdings lag der Fokus hier noch ganz klar auf Death Metal und die Klassik-Elemente, die wir bereits haben, wirken auch nicht ganz so organisch in die Musik integriert, wie auf späteren Alben.
Nicht nur die Musik, sondern auch das Lineup der Band sollte sich im Laufe der Jahre immer wieder verändern, sodass heute glaube ich nur noch Francesco Paoli von den Gründungsmitgliedern am Start ist. Der sollte auf “Oracles” damals die Vocals übernehmen, bevor er danach erstmal für längere Zeit an die Drums gegangen ist. Er macht dabei einen ganz soliden Job - im Grunde haben wir hier die Standard-Death-Metal-Growls, die gut genug umgesetzt wurden, aber auch nicht besonders hervorstechen. Was es auf “Oracles” noch nicht gibt, sind die cleanen und Sopran-Gesänge, die ab “Agony” immer wieder aufploppen sollten.

Was mich auf “Oracles” direkt positiv überrascht hat, ist die Abmischung. Sie ist relativ clean, aber extrem wuchtig, sodass die Brutalität des Albums gut zur Geltung kommt. Am ehesten steht hier das Schlagzeug im Fokus und Mauro Mercurio, der hier als Session Musiker an den Drums war, bevor er von Paoli ersetzt wurde, macht hier einen echt ordentlichen Job. Die Gitarren kommen aber auch nicht zu kurz, nur der Bass geht halt ziemlich unter. Falls ihr so wie ich auf eine Kombination aus Drums und Gitarren steht, die eher wie Maschinengewehrfeuer klingt, dürfte auch die Produktion von “Oracles” auf jeden Fall gefallen.

Ein Nachteil sind hier allerdings die Songs selbst. Die sind zwar wirklich technisch sauber und präzise gespielt, allerdings hämmert hier gerne mal alles gleichzeitig auf den Hörer ein, dass einzelne Elemente, die durchaus gut sind, gar nicht mal so richtig zur Geltung kommen. Ein sehr geiles Riff verliert zum Beispiel etwas an Kraft, wenn dabei gnadenlos die Drums drüber ballern. Das führt dann zwangsläufig dazu, dass das Album zwar zu jeder Zeit direkt echt gut klingt, aber die individuellen Unterschiede der Songs gar nicht so richtig zur Geltung kommen. Auch sind die Songs selbst meistens recht kurz, was dazu führt, dass das Album an sich gerade mal gut 37 Minuten lang ist.

Den Anfang macht “In Honour Of Reason” und lustigerweise unterscheidet sich der Opener ziemlich stark von den anderen Songs. Erstmal ist er mit 4 ½ Minuten noch vergleichsweise lang und gleichzeitig auch ziemlich melodisch. Die Riffs bleiben direkt im Gedächtnis hängen und der Refrain ist nicht nur an sich schon sehr angenehm zu hören und markant, sondern wird im letzten Anlauf sogar noch durch cleane weibliche Vocals ergänzt, was das ganze Hörerlebnis nochmal zementiert. Gleichzeitig können wir auch hier direkt zum ersten Mal hören, wie hier mit den Elementen der Klassik umgegangen wird - nämlich, indem der Song mittendrin kurz pausiert und für ein paar Sekunden von einem Streichorchester abgelöst wird, bevor es wieder Dauerfeuer gibt. Nicht sehr elegant, aber durchaus effektiv. Für mich ist “In Honour Of Reason” gleich am Anfang mal ein Highlight auf “Oracles”.

Mit “Post-Enlightenment Executor” zeigen die Jungs sich dann von einer etwas anderen Seite: in unter 3 Minuten wird gnadenlos Vollgas gegeben und Drums und Gitarren liefern sich hier ein Rennen, bei dem sich Sänger Paoli schon Mühe geben muss, damit seine Vocals hier mithalten können. Vor allem die Lead-Gitarre hat hier ein paar coole Momente, ansonsten bleibt es halt ein kurzer Spaß.

“As Tyrants Fall” schlägt eine sehr ähnliche Richtung ein. Der eigentliche Song ist sogar noch kürzer und noch schneller und bis auf ein paar sehr coole Riffs, die nicht so richtig zur Geltung kommen wollen, leider auch etwas unspektakulärer. Mehr als ¼ besteht dann aus einem Ausklang an klassischer Musik, die einfach so ohne Kontext einsetzt und im Prinzip nichts mit dem Song an sich zu tun hat. Als kleines Interlude zur Auflockerung kommt es trotzdem ganz gut und hätte vielleicht sogar als Intro getaugt.

Komplett ohne Übergang ploppt dann plötzlich “Sophistic Demise” auf, welches ziemlich gut die Stärken von “Oracles” ausspielt. Die Drums klingen absolut wie Artillerie-Feuer und auch Paolis Vocals haben nochmal ordentlich an Geschwindigkeit gewonnen, während im Hintergrund Cristiano Trionfera mit krasser Geschwindigkeit an der Lead-Gitarre zu bestaunen ist. Ich muss sagen, dass hier das Konzept sehr gut aufgeht und sich alle Beteiligten sehr gut ergänzen, statt sich gegenseitig zu überbieten.

“Requiem In Si Minore” ist dann eine kleine Anomalie auf “Oracles” der Song ist nicht nur über 5 Minuten lang, sondern drosselt die ersten zwei Minuten auch ziemlich die Geschwindigkeit, so dass wir hier im unteren Mid-Tempo landen, was im Vergleich zu dem, was vorher kam, allerdings schon fast wie Doom Metal klingt. Ich mag diese kurze Atempause aber sehr gerne, zumal “Requiem In Si Minore” dadurch heavy wie sonstwas klingt.

Bei “At The Guillotine” geht es dann wieder etwas traditioneller zu: schnell und brutal. Hier muss ich sagen, dass jeder einzelne Part an sich toll klingt, aber alles mit einer derartigen Reizüberflutung auf den Hörer einprügelt, dass man die individuellen Parts gar nicht so richtig wertschätzen kann. Merkt man meiner Meinung nach so richtig gut, wenn man etwa in der Mitte die Gitarren mal ein paar Sekunden nur für sich selbst bewundern darf und der Song direkt ein gutes Stück besser klingt.

So, wird an der Stelle mal wieder Zeit für Alibi-Klassik - warum also nicht “Embodied Deception” mit einem kurzen Klavier-Solo einleiten, das nach 15 Sekunden vom Death Metal niedergestreckt wird? Für mich einer der weniger gelungenen Versuche, Klassik in “Oracles” einzubauen. Auch ansonsten will der Song nicht so richtig bei mir zünden und hat kaum nennenswerte Momente, außer vielleicht, dass wir bei 1.45 nochmal kurz daran erinnert werden, dass es hier auch einen Bassisten gibt. Dafür gibt es dann allerdings die klischeehaftesten Lyrics auf dem Album mit Lines wie “Die, you deserve to die! You deserve to die in pain!” oder “Need to suffer, need to suffer!”.

“Infection Of The White Throne” bietet dann grundsätzlich erst einmal nichts Neues, fasst aber alles bisher gehörte sehr schön zusammen, bevor es zum Schluss langsam mit Chorgesängen ausblendet. Und auch wenn hier das Rad nicht neu erfunden wird, kommt hier alles, was bisher war, nochmal ziemlich gut zusammen. Falls ihr einen repräsentativen Eindruck davon haben wollt, wie “Oracles” klingt, ohne das ganze Album zu hören: “Infection Of The White Throne” wäre euer Song. Wenn der echt gefällt, dann dürfte “Oracles” grundsätzlich euer Ding sein.

Der letzte reguläre Song heißt dann “Retrieving My Carcass” und bietet nochmal ein paar ziemliche Killer-Riffs und ein ordentliches Tempo und das immerhin über 4 Minuten lang ohne echte Pause. Ganz ordentlicher Abschluss, bei dem einem nochmal die ganze Härte der Band um die Ohren gehauen wird.

Der Titeltrack ist dann einfach nur ein nettes kleines Instrumental, welches das Album mit sanften Pianoklängen enden lässt. Eher unspektakulär, aber auch nicht nervig oder so. Würde ich mir das separat anmachen? Wahrscheinlich eher nicht. Aber wenn man das Album am Stück hört, dann ist es schön, überhaupt ein Outro zu haben, das sich vom Rest der Tracks unterscheidet.

Was mir beim Hören von “Oracles” immer wieder auffällt ist, dass obwohl das Album recht kurz ist, spätestens ab der zweiten Hälfte schon so eine leichte Übersättigung auftritt, was wohl daran liegt, dass sich die Songs individuell nicht sooo stark unterscheiden und gleichzeitig immer sehr viel auf einmal abgeht. Trotzdem lassen sich hier einzelne Highlights wie “In Honour Of Reason”, “Requiem In Si Minore” oder vielleicht auch “Sophistic Demise” herausfiltern. Und auf der anderen Seite gibt es keine krassen Schwachpunkte - vielleicht noch “Embodied Deception” wenn man unbedingt was finden will.
Ich mag auch den unverfälschten Death Metal Sound insgesamt sehr gerne, zumal man wirklich merkt, dass die Band hier weiß, was sie tut und theoretisch kann ich “Oracles” jederzeit im Hintergrund laufen lassen und habe dann eine gute Zeit. Um wirklich hervorzustechen reicht das allerdings noch nicht aus. Damit ist “Oracles” für mich gehobener Durchschnitt und ein Album, welches ich mir gut und gerne anhören kann, hätte wahrscheinlich aber nicht in der Form dazu geführt, dass mir Fleshgod Apocalypse so positiv aufgefallen wären, wenn ich nur dieses Album gehört hätte.

Punkte: 7 / 10


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